Roman

Das Latein war bis in das späte Mittelalter die offizielle Sprache der gelehrten Welt, obwohl sich in den ehemaligen Kolonien des antiken Imperium Romanum aus der Sprache der Eroberer im Lauf von Jahrhunderten eigene romanische Dialekte und schließlich Sprachen wie das Spanische oder Französische entwickelt haben. So meinte die Bezeichnung, dass etwas in der lingua romana geschrieben sei, zunächst einfach, dass es nicht in Latein geschrieben sei, sondern in der Volkssprache. Im literarischen Bereich war „Roman“ bis ins 13. Jahrhundert eine Sammelbezeichnung für alle größeren Erzählungen zunächst in Versform (Vers), dann auch in Prosa.
Seit dem 14.Jahrhundert sind dann nur noch erzählende Prosatexte größeren Umfangs, d.h. Romane im heutigen Sinne gemeint (Erzählprosa).
Der Roman stand zwar lange im Schatten der Verserzählung (Epos, höfischer Roman), aber er hatte auch schon im Altertum (Heliodor, Äthiopische Geschichten) sein Publikum. In Deutschland begann seine Geschichte im Spätmittelalter mit den Prosabearbeitungen der höfischen Epen; es entstanden auch erste originale Prosaromane. Im 17. Jahrhundert verdrängte er endgültig das Versepos.
Der Roman ist weder inhatlich noch strukturell einheitlich zu bestimmen; denn er steht allen Themen und allen Möglichkeiten literarischer (Literatur) Gestaltung offen. Ein wichtiges Merkmal ist – mit Blick auf seine Geschichte – sicherlich die Erweiterung des gesamtgesellschaftlichen Panoramas.Im Unterschied zu den antiken und mittelalterlichen Heldenepen stell er nicht nur die Geschichte der „Großen“ dar; sein Stoff und seine Gestalten kommen aus allen Schichten. Es werden nicht nur große staatspolitische Ereignisse erzählt, sondern auch ganz Privates (Entwicklungsroman). Der Erzählstoff kann weit in die Geschichte zurückreichen, er kann aber auch aus der unmittelbaren Gegenwart stammen. Das, was erzählt wird, kann vielschichtig sein, über mehrere Handlungsstränge laufen, im ständigen Wechsel ganz verschiedener Perspektiven (Erzählperspektiven) wiedergegeben werden und nach eigener Zeiteinteilung angeordnet sein (Erzählstruktur, Erzählzeit). Deshalb heben alle Untergliederungen zur Gattung „Roman“ jeweils nur bestimmte, im Einzelfall vorherrschende Besonderheiten (Handlung, Gestalten, gesellschaftlicher Ort, usw.) hervor.

Quelle: Auf einen Blick – Literarische Grundbegriffe C.C.Buchner